Karte der Nordroute (Station 18 – 36)

Stationen 18 – 36

synagogeDer „Judenpfad“ war bis um 1930 der Weg der Giershagener Juden zu ihrer Synagoge in Padberg.

Zum  Synagogenbezirk Padberg gehörten die Juden aus Giershagen, Beringhausen, Bontkirchen, Helminghausen, Messinghausen, Rösenbeck und Madfeld. Der zugehörige Friedhof liegt in Beringhausen.

Um 1900 lebten in Giershagen 6 Judenfamilien. Es waren die Familien Fischel, Salberg, Josef und Levi Hagedorn, Freibaum und Cronenberg.

Einige konnten Deutschland rechtzeitig vor Beginn der Verfolgung verlassen, Familie Cronenberg kam in einem Konzentrationslager um.

Die Juden waren überwiegend Händler und Kaufleute. Im Raum Marsberg handelten die Juden schon im Mittelalter auch mit Halb- und Fertigwaren aus Metall, wie Stabeisen, Ketten, Nägel und Öfen. Der Rat der Stadt versuchte 1668, das zu unterbinden.

Seit 1678 war es den Juden in Kurköln verboten, mit Metallen zu handeln. Mehrfach wurde das Edikt wiederholt, ohne dass es den Handel wirksam verhindern konnte.

Das Haus Canstein verkaufte. z.B. das Kupfer aus seinen Giershagener und Leitmarer Gruben an jüdische Händler aus Hanau.

Im Eselstall befindet sich der Grubenbau der Grube Reinhard. Das Erzlager ummantelt eine vulkanische Schwelle aus Schalstein. Es wurde durch die Erosion des Baches „Gertrud”  freigelegt

Im Mittelalter wurden kurze Schächte in das Lager abgeteuft. Davon zeugen noch viele Pingen unterhalb diese Weges und auf der anderen Talseite.  Das Lager wurde zunächst nur bis auf das Niveau des Baches abgebaut.

Nach dem 30jährigen Krieg ließ der Bergmeister Caspar Engelhardt den oberen Stollen, einen Schacht, und eine mit einem Wasserrad getriebene Wasserhebeanlage (Stangenkunst) mit hohen Kosten wieder herrichten. Doch der hohe Grundwasserstand und Wassereinbrüche verhinderte einen Abbau in größerer Tiefe.

Erst nach Fertigstellung des Lülingshohler Stollens, der etwas unterhalb dieser Stelle in 19 m Teufe auf das Lager trifft, konnten die Wasser bewältigt werden.

Zwischen 1830 und 1880 wurden große Mengen Eisenstein oberhalb des Lülingshohler Stollens  gewonnen. Im östliche Teil  war das Lager bis zu 7 Lachter (ca.14 m) mächtig.

Durch den Abbau entstanden große Hohlräume. An der Stelle mit der geringsten Überdeckung am Talgrund der „Gertrud” brach  Ende der 1950er Jahre die Oberfläche ein. So entstand ein Tagesbruch, in dem sich der Bach aufstaut und in den darunterliegenden Hohlräumen versickert. Er tritt erst am Stollenmund des Lanzstollens wieder aus.

Esel in Kur

Der Flurname Eselstall ist wahrscheinlich darauf zurückzuführen, dass hier Maulesel in Stallungen untergebracht waren, die bei Wasserhaltung (Göpel) und Erztransport gebraucht wurden. Bergmeister Frantzen berichtet am 28.10.1682: „Die Maulesel vom Lülingshohl sind nach überstandener Kur (?) wieder aus Arnsberg zurück.“

Der Klingelschacht war einer von fünf Luftschächten des Lülingshohler Stollens.

Der Lülingshohler Stollen diente der Entwässerung der Grube im Lülingshohl. Er war eine 1,10 m  hohe und 60 cm breite gemauerte Rösche (Wasserkanal).

Obwohl zunächst als Luftschacht angelegt, wurde der Klingelschacht 1872 – 78 auch als Fahr-und Förderschacht genutzt. Vorher wurde der Lülingshohler Stollen vom Erzlager bis zum Klingelschacht auf ca. 60 m Länge erweitert. Eine Schienenbahn wurde eingebaut.

Maschinenhaus

1884 wurde beim Klingelschacht ein 31,50 m mal 6,80 m großen Maschinen- und Kesselhauses errichtet. Bei der Suche nach dem verschlossenen Klingelschacht stieß man hier auf die Fundamente mit eingelassenen Gewindestangen. Hier haben wohl eine Dampfmaschine und ein Kompressor gestanden, mit denen die nötige Energie für die Mechanisierung der Grube erzeugt wurde. Sowohl die Wasserpumpen als auch die Bohrhämmer sollten mit komprimierter Luft betrieben werden. Vom Maschinenhaus wurden die benötigen Luftleitungsrohre durch den Klingelschacht bis in das westl. und östl. Flügelort der Grube eingebaut.  Allerdings hat das Maschinenhaus nur kurz gestanden. 1887 wurde der Betrieb der Grube Reinhard eingestellt.

Ein Blick ins Erdinnere

In dem Steinbruch auf der gegenüberliegenden Seite wurde in den 1970er Jahren Diabas abgebaut. Der Aufschluss zeigt im unteren Teil Diabas. Darüber befindet sich oberdevonischer Zechstein. Während der Diabas ein kompaktes vulkanisches Ergussgestein ist, hat der durch Meeresablagerung entstandener Zechstein die Form von geschichtetem Ablagerungsgestein (Sediment). Es wurde später durch Faltung verformt.

Lülingshohler Stollen

Gegenüber auf der anderen Talseite befindet sich der (verschüttete) Stollenmund des Lülingshohler Stollens,  eines Erbstollens, der nach ca. 480 m in 19 m Tiefe auf das Erzlager traf. Er wurde angelegt, um die Wasserhaltung in den Griff zu bekommen.

Die Betriebsunterlagen geben die Maße des Stollens mit  1,12 m Höhe und 0,63 m Breite an. 5 Luftschächte sorgten für angemessene Belüftung. Nach 1874 übernahm der 670 m lange Lanzstollen die Erschließung der Lagerstätte.

In unmittelbarer Nähe zum Stollenmund befand sich Ende des 19. Jh. eine Schmiede.

An dieser Station ist ein Profil mit den Originalgrößen des Lülingshohler Stollens installiert. Wenn Sie erfahren wollen, wie eng es war, gehen Sie  einfach einmal durch die Öffnung. Im Gegensatz zu Ihnen mussten sich die Bergleute nicht 2 m, sondern 500 m in dieser Haltung  fortbewegen.

Hohlwege Eschenseite

Der Flurname „Eschenseite“ bezeichnet den bewaldeten Hang des Diemeltales, an den sich auf der Hochfläche der „Esch“, das pflügbare Dauerackerland von Ekesbike, anschloss. Die heutige Wüstung Ekesbike befand sich auf der gegenüberliegenden Seite der Diemel.

Gut sichtbar ist ein Bündel von Hohlwegen, die sich durch jahrhundertelange Nutzung mit Fuhrwerken und durch abfließendes Regenwasser in den Hang eingeschnitten haben. Sie führen von der Diemelfurt hinauf zu der Hochfläche, wo sich das Ackerland befand .

Der Weg wurde für landwirtschaftliche Transporte und für die Erztransporte vom Eckefeld, Arnstein und Lülingshohl zu der Klosterhütte an der Diemel genutzt.

War ein Weg zu tief ausgefahren, wurde wenige Meter daneben ein neuer angelegt. Dadurch entstand ein Bündel von parallel nebeneinander liegenden Wegefurchen.

Marmorgrube

Die Schacht- und Tagebaupingen im unteren Teil der Eschenseite sind Folgeerscheinungen der Marmorgewinnung. Dabei handelt es sich nicht um echten Marmor, sondern polierfähigen Kalk der Adorfer Schichten, die an dieser Stelle zutage treten.

Am 29.5.1864 wurden J. B. Prang aus Alme unter dem Namen „Lüling“ die Abbaurechte für das lagerartige Marmorvorkommen verliehen.

Die Grube erhielt den Namen „Petronella“.

Wahrscheinlich wurde der Stein aber auch schon vorher abgebaut. Rechnungen des Walburgis-Stiftes  zu  Meschede aus dem 17. Jahrhundert über  den Transport von „Bild- und Gipsstein“ aus Giershagen sind die frühesten schriflichen Belege über die Marmor- und Gipsproduktion im Bereich des Sauerlandes.

Grube Reinhard

Grubenbau

Der Lanzstollen der Grube Reinhard, dessen restaurierter Stollenmund im Diemeltal liegt, erreicht das Erzlager nach 670 m. Er wurde 1872 -76 aufgefahren. Als 40 m – Sohle befindet er sich circa 19 m unter dem älteren Lülingshohler Stollen (20 m-Sohle). Beide bilden zusammen mit einer Zwischensohle (30 m-Sohle) und drei Tiefbausohlen den Grubenbau der Grube Reinhard. Das Stollensystem reicht bis 110 m unter die Talsohle. Bis um 1800 trug die Grube den Namen „Lülingshohl” (Spatzenloch/-tal).

Lagerstätte

Das Erzlager ummantelt komplett eine ovale vulkanische Schwelle aus Schalstein (Diabas) und keilt im Südosten lappenförmig nach unten aus. Dort befinden sich die drei Tiefbausohlen (20, 40, 70 m). Das Hangende bilden devonisch Kalke und Schiefer. Das Lager hat eine Mächtigkeit von 0,5-10 m. Das Eisenerz wird in Berichten als gut und mild, mitunter auch als sehr edel beschrieben.

Abbau

Im Mittelalter wurde das Lager bis auf das Niveau des Lülingshohler Baches („Gertrud”) abgebaut. Bis Anfang des 19. Jahrhunderts bewegte sich der Abbau auf dem Niveau des Lülingshohler Stollens (Erbstollen aus dem 17. Jahrhundert).

Transport mit Pferden

Nach 1876 wurde das Erz durch diesen Lanzstollen mit Pferden über eine Schienenbahn ins Diemeltal gebracht. Auf den Wiesen vor dem Stollen wurde minderwertiges Erz aussortiert und auf Halde gelagert. Über eine Brücke über die Diemel führte ein Nebengleis der Rhene-Diemeltal-Bahn auf den Platz vor dem Stollen. Dort wurde das Erz verladen.

Die Halden wurden im 20. Jahrhundert ausgebeutet. Die Reste wurden bei Herstellung der Freizeitanlage eingeebnet. Am Ufer der Diemel kann man noch heute Erzbrocken finden.

Stollenmund Lanzstollen

Rhene-Diemel-Bahn

Die Entfernung des Ostsauerlandes zum Ruhrgebiet wirkte sich Mitte des 19. Jh. wegen zu hoher Transportkosten negativ auf die Rentabilität der Eisenerzgruben aus. Die Ruhrgebietskonzerne, die inzwischen alle Bergwerke in diesem Raum in ihren Besitz gebracht hatten, forderten daher den Bau der Ruhrtalbahn. Sie wurde 1872 in Betrieb genommen.

Als Zubringer wurde in den Jahren 1873/74 eine 11,2 km lange schmalspurige Grubenbahn, die Rhene-Diemeltalbahn, von der Grube Martenberg zum neuen Bahnhof Bredelar gebaut.

In den Jahren 1880 bis 1910 beförderten die Bahn jährlich 40 — 60 000 Tonnen Fracht, mehr als drei Viertel davon Eisenerz aus den 4 Gruben am Martenberg, im Eckefeld, am Arnstein und im Lülingshohl. Daneben wurden landwirtschaftliche Produkte, Kohlen und Holz transportiert. Personenverkehr gab es auf der Rhene-Diemeltalbahn nicht.

1917 schloß die letzte Erzgrube im Einzugsbereich der Bahn; bis 1923 kämpfte die Rhene-Diemeltalbahn dann noch um das Überleben, ehe das „Aus“ für sie kam. Die Gleise wurden abgebaut.

Im Jahre 1939 entstand die Bahn zwischen Bredelar und Martenberg auf der alten Trasse neu, diesmal als 900 mm-Grubenbahn der Mannesmann-Werke. Nach der Wiederaufnahme der Erzförderung am Martenberg im Jahre 1936 benötigte man eine leistungsfähige Anschlussbahn.

Das Transportvolumen  erreichte mit 160.000 t im Jahre 1960 sein Maximum. Der Betrieb der Grubenbahn, im Giershagener Sprachgebrauch nur die „Schleppbahn“ genannt, endete im Frühjahr 1963. Nach Stilllegung der Grube Christiane wurde die Bahn zum zweiten Mal abgebaut.

In vielen Bereichen ist auch nach dem Abbau der Gleise der Bahndamm noch zu erkennen – wie  auf der Diemelwiese. Ein großer Teil der Trasse wurde in Wege umgewandelt.

Meilerplatz

Die Köhlerei spielte im montanen Verbund eine wichtige Rolle. Zur Gewinnung des Eisens und Kupfers aus Erz wurden in den seit ca. 1500 n. Chr. in unserer Gegend betriebenen Schmelz- und Hammerhütten hohe Temperaturen benötigt. Holzkohle war bis zum Ende des 19. Jh. der einzige Energielieferant für den Schmelzbetrieb. Die Köhlerei prägte daher die Forstwirtschaft unseres Raumes über Jahrhunderte entscheidend mit.

Um 1 Tonne Eisenerz zu schmelzen, waren je nach Qualität des geschlagenen Holzes um die 90 Raummeter Holz erforderlich. Als Folge davon wurden die Wälder im Umkreis der Hütten rücksichtslos abgeholzt. Häufig gab es Streit um die knappen Holzvorräte.

Um 1800 mussten wegen Holzmangels sogar die Gruben im Bereich Giershagen und  Beringhausen geschlossen werden. Das Erz fand keinen Absatz, weil es nicht mehr in der Nähe geschmolzen werden konnte.

Meilerplätze sind im Gebiet von Giershagen u.a. am Wartersberg und am Heimberg nachweisbar. Die sog. Meilerplatte, eine kreisrunde ebene Fläche mit tiefschwarzem Boden, die z.T. auch in den Hang gearbeitet wurde, ist ein Relikt eines Kohlenmeilers.

Ein Kohlenmeiler ist ein mit Erde, Gras und Moos luftdicht bedeckter Holz-Haufen, der von einem Köhler in Brand gesetzt wird, um Holzkohle zu erzeugen.

An dieser Station wurde auf einem alten Meilerplatz ein Schaumeiler errichtet.

Schaumeiler am Meilerplatz im Heimberg

Schieferbruch Heimberg

Am Heimberg wurde in den 1950er Jahren Kulmtonschiefer abgebaut. Zunächst wurde ein Stollen angelegt, in dem das Material gewonnen wurde. Später erfolgte die Gewinnung im Tagebau.

Der Kulmtonschiefer ist ein plattiges bis dünngeschiefertes, meist hell- bis dunkelgraues Gestein. Es entstand vor ca. 350 Mill. Jahren im Unterkarbon.

Das Material wurde nach Warstein gebracht, wo es bei der  Terrazzo-Herstellung Verwendung fand.

Die Trockenmauer zur Stützung der Abbraumhalde und das Betonfundament der Materialrutsche zur Beladung der LKWs ist noch vorhanden.

Am 13. Febr. 1968 kam es zu einem Erdrutsch. Der Hang löste sich und rutschte ab bis in das Diemelbett.

Hüttengraben / Klosterhütte

An dem 2011 zurückgebauten Diemelwehr zweigte  der Obergraben ab, der zum Betrieb der Schmelzhütte des Klosters Bredelar diente. Die Hütte lag etwa 800 m weiter diemelabwärts an einem Bergsporn, dem „Hüttenkopf“.

Spätestens seit 1544 war das Kloster Bredelar selbst als Grubengewerke und Eisenproduzent aktiv (Streit mit dem Grafen von Waldeck um Gruben am Teufelspfad). Nach 1600 hält das Kloster Anteile an den Gruben Webbel, Eckefeld, Schemperstrick (Arnstein) und Lülingsholl, sowie an weiteren Bergwerken bei Padberg, Beringhausen bis hin nach Messinghausen und Brilon. Nach Auflösung des Klosters im Jahre 1804 wurden dessen Grubenanteile von den Gewerken Anton bzw. Theodor Ulrich (Brilon) übernommen.

Schon vor 1600 betrieben die Mönche auch eine eigene Hütte am „Hüttenkopf“ an den Sammetwiesen an der Diemel. In der Giershagener Gemarkung gab es nur diese Bredelarer Klosterhütte („Alte Hütte“). Die Lage der Klosterhütte ist in dem Urkataster von 1831 gut zu lokalisieren. Auch Schlackenfunde belegen diesen Standort. Die Gebäude der Klosterhütte waren noch um 1900 bewohnt. 1925 brannte „die alte Hütte“ ab.

An der Stelle jenseits der Diemel, an der heute das Hochregallager der Firma WEPA steht, baute Theodor Ulrich 1831 eine Getreide- und Hammermühle, den Charlottenhammer.

Die Giershagener Mühle

Vor dem Hochregallager der Firma WEPA stand bis zum Jahre 2002 die Giershagener Mühle.
Sie wurde 1831 von Theodor Ulrich erbaut. Zuvor waren die Giershagener der Klostermühle in Bredelar bannpflichtig, d.h. sie durften ihr Korn nur in Bredelar mahlen lassen. Ulrich hatte das Kloster Bredelar nach der Säkularisation erworben. Die Mühle wurde nur noch für das Klostergut genutzt, da das Wasser der Hoppecke für den Hüttenbetrieb im ehemaligen Kloster benötigt wurde.
Als Ersatz baute er die „Kamp-Mühle“ an der Diemel mit 2 Mahlgängen und 2 Rädern.

Zwischenzeitig nutzte Ulrich die Mühle auch als Eisenhammer und gab ihr den Namen „Charlottenhammer“ nach dem Vornamen seiner Ehefrau.

Am Ende des 19. Jh. war Heinrich Schierenberg Müller in Giershagen. 1907 erwarb Alexander Börner die Mühle und installierte ein Kalksteinmahlwerk, das mit Wasser- (20 PS) und Dampfkraft (30 PS) betrieben wurde. Das erzeugte Kalzit aus dem Muschelkalkstein des eigenen Steinbruchs auf der „Haie“ wurde bis 1924 über einen „eigenes Anschlussgleis“ von der Verladestation „Reinhard“ mit der Rhene- Diemeltalbahn“ nach Bredelar zur Reichsbahn gebracht. Ende der 1920er Jahre erwarb der Händler Hagedorn aus Giershagen die Mühle und verkaufte sie später an Johannes Schlüter aus Alme.
Der legte in den 1950er Jahren die Mühle still und baute eine Papierfabrikation ein. Wenig später wurde nur noch Strom mit einer Turbine erzeugt. In den 1970er Jahren erwarb Friedrich Knoche die Gebäude, ehe sie um die Jahrtausendwende von den Gebr. Krengel erworben und abgerissen wurden.

Pingen am Klusknapp

Am Klusknapp sind insbesondere im vorderen Bereich noch Pingen erkennbar, die von Bergbauaktivitäten zeugen. Ob es in der Vergangenheit umfangreichen Abbau gegeben hat, kann bezweifelt werden.

In einer Liste von Kupfergruben aus dem Jahre 1744 wird ein „alter Stollen hinter der Kluse” genannt, der dem Baron von und zum Canstein gehörte. Das dazugehörende Grubenfeld war 4 Maßen groß.

Der Stollenmund befand sich im Norden (Rückseite) des Klusknapps. Der Grubenbezirk erhielt später den Namen „Petronella“. Am 10.12.1858 erhielt Theodor Ulrich die Rechte an der Grube „Petronella“ bei der Kluskapelle verliehen.

Kluskirche

Die Kluskirche ist die einzige erhaltene Wüstungskirche in Westfalen.

Erbaut wurde sie in der Mitte des 12. Jhts. als Pfarrkirche des Ortes Upsprunge (948 n.Chr. erstmals erwähnt). Das Dorf erstreckte sich wahrscheinlich vom Bereich westlich des heutigen Friedhofes über das Friedhofsareal bis östlich der Kirche zum Diemeltal hin.

Die einschiffige romanische Kirche war Ziel einer alljährlichen überregionalen großen Wallfahrt, die mit einem päpstlichen Ablass verbunden war. Das Patronatsrecht besaßen die Herren von Padberg.

1478 belehnten die Herren vom alten Haus Padberg das Kloster mit der Kluskirche zu Giershagen, die verfallen war (destructa et desolata) und wieder aufgebaut wurde.

1682 wurde nach den Zerstörungen des 30jährigen Krieges die Kirche durch den Bredelarer Abt Absalon Hauk wieder aufgebaut und um ein quadratisches Joch und den Chorraum erweitert. Die jährliche Wallfahrt wurde wieder durchgeführt.

1690 wurde der wertvolle barocke Hochaltar von dem Giershagener Bildhauer Heinrich Papen geschaffen.

Im 7-jährigen Krieg wurde 1761 bei der Schlacht um Bredelar die Turmspitze der Kirche abgeschossen. Das Dorf Upsprunge, das schon 1737 teilweise wüst lag, wurde gänzlich  zerstört und endgültig aufgegeben. Die Bewohner zogen nach Giershagen um.

Bis 1801 war die Kluskirche noch die Pfarrkirche von Giershagen. Danach verfiel sie und diente den Hirten und ihren Tieren als Unterstand.

1934 wurde die „verwahrloste“ Kirche gründlich renoviert.
2010/11 erfolgte eine grundlegende Renovierung von Kirche und Altar.

Schiefergrube Rotenberg

Oberdevonische sog. Hemberg-Schichten aus rot-violetten Tonschiefern (Fosley – (Fuchs)felsen) im Wechsel mit grau-grünen Schiefern bilden den „Rotenberg”.

Am Rotenberg besaß das Kloster Bredelar im Jahre 1744  eine Schiefergrube.

Nach der Auflösung des Klosters war die Schiefergrube im Besitz des Schultheiß Wilhelm Knaup, der als Zechenvorsteher fungierte.

1819 legte man eine Rösche (Wassergraben) an, um das störende Wasser abzuleiten. Es waren 2 Mann beschäftigt und 13 Fuder Schiefer wurden in diesem Jahr gefördert.

1821 wurde ein Stollen angelegt.

1823 waren 3 Hauer beschäftigt, die in einem Stollen und einem Tagebaubetrieb arbeiteten.

1824 wurden nur 8 Fuder gefördert.

Nach dem Tode ihres Mannes hatte Frau Kaup nicht die Mittel, die Grube fortzuführen. Weitere Berichte über den Betrieb gibt es nicht.

Pferdefriedhof

Am Rotenberbg befand sich bis ca. 1940 ein Platz zur Entsorgung von Kadavern verendeter großer Haustiere, insbesondere von Pferden. Deshalb hat dieser Platz im Volksmund den Namen „Pferdefriedhof”.

Tierseuchen führten auch früher schon zu großen Verlusten für die Bauern. Pferde waren als Arbeitstiere in der Landwirtschaft besonders wertvoll.

Im Bergbau wurden in Giershagen allerdings überwiegend Esel für den Erztransport und den Göpelbetrieb bei der Grubenentwässerung eingesetzt.

Pferdeprozession

Nach einer Pferdeseuche machten die Giershagener Bauern um 1700 das Gelübde, jährlich eine Pferdeprozession durchzuführen.

Sie gehört seit über 300 Jahren zum dörflichen Brauchtum. Sie findet jeweils am 2. Sonntag nach Ostern statt und ist in Westfalen einzigartig. Im Jahre 1967 konnte sie nach 250 Jahren wegen Pferdemangels nicht mehr durchgeführt werden. 1996 wurde der Brauch jedoch wieder aufgenommen.

Cölestingrube

Ein in Deutschland seltenes Mineral findet man im Mühlental – das Cölestin. Es ist ein durchscheinendes weißes bis bläuliches Mineral im Kristallform.

Im Oberperm befand sich am Mühlental die Küste des Zechsteinmeeres, dessen Randbereiche 4 mal austrockneten. Dadurch bildeten sich jeweils Sulfatgesteine (Gips und Anhydrit) sowie feinkörniges und faseriges Cölestin.

Cölestin enthält Strontium Sr[SO4]. Es wird benötigt für die Herstellung von Medikamenten, bei der Zuckerherstellung und zur Herstellung von Leuchtspurmunition.

Um 1900 wurde bei Schürfungen das Lager bei Giershagen entdeckt und anschließend wohl für kurze Zeit abgebaut. Das Giershagener Lager enthielt circa 10.000 t reines Cölestin von besonderer Qualität.

ehem. Stollenmundloch

Es war das einzige abbauwürdige Vorkommen in Deutschland neben der Lagerstätte bei Gembeck (Adorf), die in den 1920er Jahren abgebaut wurde. Weitere Vorkommen gibt es nur noch in England, Spanien, Sizilien, Südafrika und den USA (Erie-See).

Nach Ausbruch des Zweiten Weltkrieges blieben die Cölestinlieferungen aus dem Ausland aus. 1943 wurde im Mühlental mit dem Aufschluss der einzig verbliebenen Lagerstätte in Deutschland, und später auch mit dem Abbau begonnen (bis 1945 ). Kriegsgefangene und Evakuierte wurden als Arbeitskräfte eingesetzt.

Sichtbar sind heute noch das ehemalige Stollenmundloch, mit Beton versiegelte Schächte und eine Halde.

Kupferpinge Sommerseite

Im Bereich des „Buchholz“ wurde im Mittelalter und der frühen Neuzeit bis ca. 1750 Kupfer abgebaut. Die ca. 60 m lange Pinge an der „Sommerseite“ ist durch Kupferabbau entstanden. Die noch vorhanden stollenartigen  Gänge sind größtenteils durch Gesteinsmaterial zugekippt.

Die Kupfervorkommen liegen im Bereich des ehemaligen Zechsteinmeeres in den dort abgelagerten Kalkschichten, die im Perm vor (ca. 250 Mio. Jahren) dort abgelagert wurden.

Die Stinkkalke und Schaumkalke des mittleren Zechsteins (Zechstein 2 (Staßfurt-Folge)) finden wir überwiegend westlich einer Linie Obermarsberg -Giershagen- Borntosten. Sie wechseln ab mit lehmigen Mergelschichten, den sogenannten Kupferletten. Sie bedecken auf dem Rennefeld, auf der Hai(d)e, im Buchholz und im Dorfbereich von Giershagen die devonischen und karbonischen Schiefer.

Kupferabbau im Buchholz

Der Pingenbezirk am Buchholz wird vor 1700 urkundlich nicht erwähnt. Eventuell waren die Kupfervorräte hier im Mittelalter schon erschöpfend abgebaut worden. Bei der Neuaufnahme des Kupferbergbaus um 1700 geriet dieser Bezirk aber wieder ins Blickfeld der Bergbauunternehmer.

Sowohl Baron von und zu Canstein als auch Berginspektor Möller aus Thalitter besaßen hier Grubenanteile. Auch einige Familien aus Ober- und Niedermarsberg engagierten sich, so die Gebrüder Theille, die Familien Natorp und Todt und die Witwe Scheiben.

Die Unternehmer Ulrich aus Brilon, Kregelius aus Kassel und Möller aus Warstein werden ebenfalls in einer Liste des Giershagener Steigers Nikolaus Helfferich aus dem Jahre 1744 als Grubenbesitzer genannt. Helfferich, der selbst Anteile an Gruben im Buchholz und im Leitmarer Bruch besaß, war in der 1. Hälfte des 18. Jh. ein gefragter Bergbauexperte im Ostsauerland und in Waldeck.

Über 25 Pingen

Eine Vielzahl von Pingen sind die Spuren des früheren Kupferabbaus im Buchholz. Eine Kartierung ergab ca. 25 noch heute sichtbare Spuren. Bei den Ortsansässigen bestand lange Zeit die Auffassung, es handele sich um Bombentrichter. Sie sind aber Reste der ehemaligen Schächte und Stollen der Kupfergruben. Besonders viele Gruben gab es im vorderen Buchholz unterhalb der Marienkapelle. Die Pingen bilden Reihen parallel dem Weg zum Friedhof.

Kupfergrube Hügelhof

In einer Liste aus dem Jahre 1744 wird eine Kupfergrube am Hübelhof erwähnt. Als Besitzer werden die Gebrüder Theille aus Obermarsberg genannt, die hier 6 Maßen besaßen. Allerdings liegt die Grube zu diesem Zeitpunkt „unbearbeitet”.

Auf dem Bild aus dem Jahre 1940 ist deutlich ein Bereich zu erkennen, der als Hinterlassenschaft einer Grabung nach Kupfer bewertet werden kann. Neben Pingen sehen wir auch einen Felsaufschluss.

Auch im Dorfgebiet gab es laut dieser Liste Kupfergruben, so z.B. im Bereich des Hofes Oesterhoff, am Knapp und am Fuhrmannsweg. Die mündliche Überlieferung kennt auch Gruben bzw. kleine Stollen am Hoppenberg.